Eine Mutter berichtet:
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Sören ist am 28.11.1990 geboren. Er ist unser erstes Kind. Er hat drei jüngere Geschwister. Als Kleinkind ist Sören für uns unauffällig. Abgesehen von einer Nahrungsmittelallergie, durch die er auch Hautprobleme hat, ist er selten krank, sehr aufgeweckt und schläft sehr wenig. Er kann mit einem Jahr gehen, spricht deutlich und viel. Er geht drei Jahre in den Kindergarten. Fällt dort nur durch seine Sprachgewandtheit und seine Fähigkeit, sowohl mit älteren als auch mit jüngeren Kindern spielen zu können, auf. Sören selbst ist vom Kindergarten weder besonders begeistert, noch wehrt er sich dagegen, diesen zu besuchen. Für ihn gehört der Kindergartenbesuch zum Tagesablauf.
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Im Alter von fünf Jahren hat er sich das Lesen dann selbst beigebracht. Buchstaben und auch Zahlen haben ihn schon mit drei Jahren immer interessiert.
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Mit sechs Jahren wird Sören im September 1997 eingeschult. Nach ca. vier Wochen fällt er zu hause durch Unzufriedenheit, Traurigkeit und Aggressivität auf. Ein Gespräch mit der Lehrerin ergibt keinen befriedigenden Grund für Sörens Verhalten. Sörens Befinden verschlechtert sich zunehmend, er äußerst jetzt auch, er möchte nicht mehr in die Schule. Seine Begründung: Schwierigkeiten mit der Lehrerin und den Klassenkameraden. Ein weiteres Gespräch mit der Lehrerin findet auf meine Initiative hin statt. Sören fällt im Unterricht auf, weil er vieles hinterfragt und dadurch sehr anstrengend ist. Er gibt sich nach Angabe der Lehrerin nicht mit dem Unterrichtsstoff zufrieden. Meine Vorschläge, um die Situation zu verbessern, werden falsch verstanden oder abgeblockt. Sörens Sozialverhalten wird sehr negativ kritisiert. Sörens Befinden verschlechtert sich weiter. Es folgen noch einige ergebnislose Gespräche mit der Klassenlehrerin.
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Das Halbjahreszeugnis im Februar 1998 enthält eine für uns so negative Beurteilung, dass wir Kontakt mit dem Rektor der Schule aufnehmen. Im Gespräch mit ihm erfahren wir über Sörens negatives Verhalten in der Schule. Er beteiligt sich in der Zwischenzeit überhaupt nicht mehr am Unterricht. Wir überlegen gemeinsam, wie wir das Kind motivieren können. So bekommt er nach erledigter Arbeit die Gelegenheit, Bücher zu lesen sowie anderes Arbeitsmaterial. Leider war dieses Arbeitsmaterial nicht anspruchsvoller und wurde von Sören nicht angenommen. Sein Kommentar: “Ich bin doch nicht blöd und mache das Gleiche noch einmal.”
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Sören ist krank. Er klagt über Übelkeit, Bauschmerzen und Schwindel. Der Kinderarzt sieht ein psychisches Problem und rät, die Schulsituation in den Griff zu bekommen und evtl. autogenes Training zur Entspannung beizutragen. Sören wehrt sich immer mehr dagegen in die schule zu gehen. Die Schule legt uns nahe, uns mit dem Schulpsychologen in Verbindung zu setzen. Nach meiner Schilderung der Situation am Telefon, lässt der Schulpsychologe uns bereits drei Tage später zum Gespräch kommen. Nach einer allgemeinen Unterhaltung schickt er mich weg und testet Sören. Am nächsten Tag bekommen wir das Ergebnis. Das Kind ist hochbegabt und in der ersten Klasse unterfordert. Er schlägt vor, Sören soll in die nächste Jahrgangsstufe vorrücken.
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Nach einem Gespräch mit dem Rektor und der zukünftigen Klassenlehrerin entscheiden wir uns trotz deren Bedenken für das “Überspringen”. Sollte dieses Überspringen schief gehen, würden alleine wir Eltern hierfür die Schuld tragen.
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Ab dem 16.03.1998 geht Sören in die zweite Klasse. Er fühlt sich dort sofort wohl. Die Mehrarbeit findet er “toll” und bereits an Ostern ist er auf dem Stand seiner Klassenkameraden. D.h. er hat die Schreibschrift erlernt, kann in Mathematik dem Unterricht folgen und hat in Heimat- und Sachkunde keine Lücken. Ein Problem ist sein Schreibtempo. Der Rektor und die Klassenlehrerin sehen dieses Problem als so gravierend an, dass sie die Richtigkeit des Überspringens bereits in Frage stellen.
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Sörens Arbeitstempo wird zum ”großen Problem” erklärt. Da Johannes auch zu Hause zunehmend Probleme bei den Hausaufgaben macht, wende ich mich an den Schulpsychologen. Er lässt uns wieder zu einem Gespräch kommen. Nachdem ich unsere Schwierigkeiten mit dem Arbeitstempo in der Schule und dem täglichen Ärger bei den Hausaufgaben geschildert habe, vereinbaren wir einen Termin an dem Sören unter Aufsicht des Schulpsychologen seine Hausaufgaben machen soll. Dort arbeitet Sören ordentlich und zügig. Der Schulpsychologe denkt aber eventuell an ein feinmotorisches Problem und bittet uns, einen Ergotherapeuten aufzusuchen.
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Dieser findet feinmotorisch keine Schwierigkeiten, stellt aber eine niedrige Frustrationsgrenze und ein erzieherisches Problem fest. Ein ausführliches Gespräch bei der Erziehungsberatungsstelle, welches ich daraufhin führe, ergibt, dass eine Erziehungsberatung nicht notwendig ist. Hier heißt es nun für mich “HALT!”. Sören ist in der Zwischenzeit auch sehr ärgerlich und möchte nicht wieder von allen möglichen Leuten therapiert werden.
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Wir versuchen Sören durch Angebote in der Freizeit (Volkshochschule, “Kinder erleben Natur”, Museumsbesuche, Computerprogramme, Sport, Spiele) einigermaßen zu befriedigen. Bei allen Veranstaltungen im Freizeitbereich, die er besucht, fällt er durch seine Begeisterungsfähigkeit und Aktivität positiv auf.
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Das Zeugnis der zweiten Klasse fällt gut aus.
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Im September 1998 kommt Sören in die dritte Klasse und bekommt eine neue Klassenlehrerin. Seine Meinung dazu: “Jetzt haben wir eine neue Lehrerin, die kennt noch niemanden und ich gehöre ganz normal in die Klasse.” Die Lehrerin wird von Sören sehr gut akzeptiert. Er geht gerne in die Schule und erzählt freudig vom Unterricht. Für Heimat- und Sachkunde bereitet er sich zu jedem Thema zu hause an Hand von Bücher (eigene Bücher oder aus der Bücherei) vor. Die Klassenlehrerin bescheinigt Sören in Gesprächen mit uns als auch im Halbjahreszeugnis eine rasche Auffassungsgabe, Sprachgewandtheit und das intellektuelle Niveau der Klasse. Sie bemängelt jedoch sein Tempo und seine Arbeitsmoral alle schriftlichen Arbeiten betreffend. Klassenarbeiten gibt er immer als Letzter ab. Niederschriften während des Unterrichts bringt er nicht vollständig zu Ende. Er muss diese zu Hause fertig stellen, was unter sehr großem Zeitaufwand und Unmut am Nachmittag erledigt wird. Auch Hausaufgaben werden von Sören, obwohl er diese kann, sehr zeitaufwendig und widerwillig erledigt. Vor allem, bei einem Stoff, der schon des Öfteren wiederholt wird. Ein weiteres großes Ärgernis für die Lehrerin als auch für mich ist seine Unordentlichkeit, die wir ihm trotz vieler Bemühungen von beiden Seiten nicht abgewöhnen können.
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Ab September 1999 geht Sören in die vierte Klasse. Seine Arbeitshaltung ist sehr gut. Er ist sehr motiviert und versucht sein Tempo zu steigern. Seine Hausaufgaben erledigt er zügig und selbstständig. Er schließt eine feste Freundschaft zu einem Klassenkameraden. Die zwei Buben verstehen sich sehr gut und treffen sich auch oft in der Freizeit. Bis Ende Oktober ist Sören ausgeglichen und fröhlich. Ohne bestimmten Anlass bzw. mir nicht bekannt, beginnt eine Unzufriedenheit, Motivationslosigkeit, Aggressivität und Niedergeschlagenheit bei Sören. Es gibt täglich Ärger bei den Hausaufgaben. Anfang Dezember 1999 ist Elternsprechtag. Die Klassenlehrerin ist im Allgemeinen mit Sören sehr zu frieden. Er ist in der Schule sehr freundlich, lustig, nett und beteiligt sich rege am Unterricht. Er bemüht sich sein Tempo zu steigern, ist aber noch immer langsamer als der Rest der Klasse. Klassenarbeiten erledigt er aber immer in der vorgeschriebenen Zeit.
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Die Lehrerin versteht eine Note 3 in der letzten Mathematikprobe nicht. Sie hat Sören geprüft und weiß, dass er sehr wohl alle Aufgaben lösen kann. Eventuell hat Sören die Note absichtlich schlecht gehalten. Vorausgegangen war eine 1 in einer Probe in heimat- und Sachkunde. Sören hatte bereits zu einem früheren Zeitpunkt, nach dem Überspringen, erklärt, er möchte nie wieder der Beste sein. Die Lehrerin und wir sind uns einig, dass auch weitere Proben manipuliert werden. Ein Diktat wird seinem Freund zuliebe schlecht geschrieben. Eine Probe in Sprachbetrachtung wird an Hand der zu vergebenden Punkte von Sören voraus auf eine Note 2 berechnet.
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Zu hause spitzt sich die Situation weiter zu. Hausaufgaben sind ein Drama über mehrere Stunde. Sören ist unzufrieden, aggressiv und traurig. Er klagt oft über Bauchweh.
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Ein Anruf bei der Lehrerin ergibt, dass Sören in der Schule keinen Grund zur Klage gibt. Er ist im Unterricht freundlich, nett, interessiert und gesprächig. In schriftlichen Proben zeigt er aber nach wie vor nicht, was er kann. Das Ergebnis wiederholter mündlicher Tests zeigt jedoch, dass er den Stoff beherrscht.
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Ein neuerliches Gespräch mit dem Schulpsychologen, der sich auch mit der Klassenlehrerin bespricht, folgt. Er findet die Situation nicht schlimm. Er denkt, Sören wird seine Leistung steigern, wenn er dies muss.
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Da bei Sören zur Abklärung der Bauchschmerzen ein C13-Atemtest in der Klinik gemacht werden soll, schlägt der Schulpsychologe vor, ihn in der Kinder- und Jugendpsychiatrie vorzustellen. Da es dort Fachleute zur Betreuung für hochbegabte Kinder und deren Probleme gibt. Dieser Kontakt verlief sehr unbefriedigend, da diese Abteilung zu dieser Zeit sehr überlastet war.
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Die Zeit bis zum Übertrittszeugnis (Mai 2000) verläuft wieder in einem stetigen Auf und Ab. Sören ist oft lustlos. Hausaufgaben ziehen sich über Stunden. Unter viel Energieaufwand von uns, ihn zu motivieren, wird von Sören nur mühsam und widerwillig schulische Leistung erbracht.
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Die Pfingstferien beginnen wir mit einem zweitätgigen Besuch in einem Freizeitpark. Sören ist lustlos, frustriert und aggressiv.
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Die Zeit bis zu den großen Ferien verläuft ähnlich. Durch Freizeitangebote (Computerkurse, Sport, Museumsbesuche) versuchen wir, ihn bei Laune zu halten. Sören freut sich schon sehr aufs Gymnasium. Die Anmeldung und eine Einladung zum Sommerfest des Gymnasium sind für ihn Höhepunkte.
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Mit großer Freude geht Sören die ersten Wochen im September 2000 aufs Gymnasium. Er ist fröhlich, unbeschwert, lacht und erzählt viel und will überall dabei sein (Schülerzeitung, Ämter in der Klasse). Plötzlich und ohne für uns erkenntlichen Grund hat er keine Lust zu Hausaufgaben. Er wird zunehmend lustloser und hört auch mit seinen Freizeitsportaktivitäten (Fußball, Taekwondo)( auf. Auch sonstige Freizeitbeschäftigungen werden nicht mehr unternommen. Statt dessen hängt er nur zu Hause herum.
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Ein Gespräch mit einigen seiner Lehrer ergibt keinen Zusammenhang mit der Situation zu Hause. In der Schule ist Sören unauffällig und eher ruhig, in manchen Fächern im Schriftlichen jedoch zu langsam. Sören selber sagt, er fühle sich wohl am Gymnasium und möchte auf keine Fall weg. Er beklagt sich aber darüber, von manchen Lehrern nicht angenommen zu werden. Er fühlt sich – auch von seinen Klassenkameraden – abgelehnt. Durch Zusatzarbeiten versucht er, Aufmerksamkeit zu bekommen. Über den lauten und manchmal unfreundlichen Ton seiner Lehrer ist er erschrocken und verunsichert.
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Sören ist verschlossen, aggressiv, abwesend, traurig und weint viel. Hausaufgaben werden wieder zum Drama. Vorbereitungen auf die nächsten Stunden werden überhaupt nicht gemacht. Er schiebt alle Arbeiten vor sich her oder ganz weg. Das Richten des Schulranzens und die Hausaufgaben werden z.B. nur unter Zwang erledigt, lernen und wiederholen gar nicht. die Schularbeiten und Stegreifaufgaben fallen sehr schlecht aus. Sören wird nicht in der Zeit fertig. Alles Schriftliche ist chaotisch.. Sören verdrängt alles, was mit Schule zu tun hat. In der Freizeit unternimmt er gar nichts. Er ist ist sehr blass, isst schlecht, ist unausgeglichen, aggressiv, traurig, verschlossen, lacht kaum noch und weint sehr schnell.
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In Gesprächen komme ich entweder nicht an Sören heran, oder er ist im Gespräch sehr vernünftig und einsichtig, schiebt dann aber alles sofort wieder weit weg. Sören hat Angst, er schläft nur bei Licht ein und mag n nicht alleine sein. Er ist sehr verschlossen und lügt auch des Öfteren. Er sagt er fühle sich unverstanden und selber überhaupt nicht wohl.
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Nach einem Treffen der regionalen Elterngruppe der DGhK Anfang November 2000 entschließen wir uns, mit unserem Problem eine Psychologin aufzusuchen. Diese wurde uns von Eltern empfohlen, da sie Erfahrung mit hochbegabten Kindern hat. Nach einem Einführungsgespräch im November 2000 mit mir alleine, lässt sie Sören drei mal eine Stunde zu sich kommen. Im Abschlussgespräch im Januar 2001 sagt sie, dass Sören kein therapiebedürftiges, psychologisches Problem habe. Die derzeitige Situation sei eine Anpassungsschwierigkeit an die neue Schulsituation. Außerdem erklärt sie, Sören sei ein sehr sensibles Kind, welches jede Unstimmigkeit sofort bemerke und sich davon ablenken lässt oder für sich ausnützt. Sie sagt, er spiele mit seiner Intelligenz. Ihr Rat für uns: Nicht mehr so sehr auf Sören eingehen, Begebenheiten, die er erzählt und Äußerungen die er macht, eher zu neutralisieren oder zu überhören. Vor allem uns aus allen schulischen Dingen wie >Hausaufgaben, Vorbereiten auf die nächste Stunde und Lernen auf Arbeiten sollen wir uns heraushalten. Nur wenn er sieht, dass er damit keine Macht über uns ausüben kann, wird er selber lernen und die nötige Leistung bringen.
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In einem weiteren Gespräch mit dem Klassenlehrer am 29.11.2000 rät er uns dringend, mit dem Schulpsychologen Kontakt aufzunehmen. Dieser hat uns nach einem einstündigen Beratungsgespräch am selben Tag empfohlen, uns aus allen schulischen Dingen herauszuhalten. In diesem Gespräch wurde der Schulpsychologe von uns von seiner Schweigepflicht entbunden und gebeten, mit Sörens Lehrern Kontakt aufzunehmen und sie von dem “Ergebnis” unseres Gesprächs zu informieren, damit diese wissen, was mit Sören los ist.
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Wir haben uns daraufhin zurückgenommen. Wenn Sören bei Hausaufgaben um Hilfe fragte, nur kurze knappe Antworten gegeben und ihn selber an die Arbeit geschickt oder ihm geraten am nächsten Tag den Lehrer zu fragen.
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Sören kam mit unseren Reaktionen zweitweise schwer zurecht. Er fühlte sich unverstanden und im Stich gelassen. Er hat es hingenommen, hat sich aber dabei von uns allen sehr zurückgezogen. Spricht kaum etwas lacht sehr selten. Er hat immer weniger Kontakt zu Anderen. Alle Hobbys werden eingestellt. Er weint schnell, ist aggressiv. Die Leistungen in der Schule sind sehr schlecht.
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Die Situation bis zum Zwischenzeugniss im Februar 2001 bleibt unverändert, obwohl wir zwischenzeitlich Sören zu verstehen geben, dass wir zu ihm halten und auch weiterhin unterstützen und helfen.
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Das Zwischenzeugnis enthält dreimal die Note 5, damit ist die Versetzung sehr gefährdet. Wir nehmen wieder Kontakt zum Schulpsychologen auf. Sören ist oft krank, er hat wiederholt Infekte der oberen Luftwege, Bauchschmerzen, Übelkeit und Schwindel. Neuerliche Gespräche mit den Lehrern ergeben Folgendes: Im Unterricht wird Sören von den Klassenkameraden ausgelacht, weil er falsche Antworten gibt. Er lernt die einfachsten Dinge wie Englischvokabeln, Quadratzahlen und Grammatikausdrücke nicht. Er blamiert sich ständig vor der Klasse. Auch seine Freunde ziehen sich von ihm zurück. Sören leidet darunter, bei seinen Klassenkameraden nicht beliebt zu sein. Er bleibt zum Beispiel im Sport bei Mannschaftswahlen immer bis zuletzt stehen. Der Klassenlehrer sagt, er sei mit “diesem Kind” als normaler Lehrer überfordert. Nach seinen Aussagen zieht sich Sören in eine eigene Welt zurück, wo er nicht zu erreichen ist. Sören wird als zu jung und unreif beurteilt. Außerdem sei er zu selbstbewusst und es sei unter seiner Würde zu lernen. Das Überspringen in der Grundschule wird als großer Fehler bezeichnet. Wir werden aufgefordert, endlich (?) Kontakt zum Schulpsychologen zu suchen. Sören verweigert die Leistung.
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Wir wenden uns Ende Februar 2001 wieder an den Schulpsychologen. Er schlägt ein Treffen mit Sören vor, vorausgesetzt, dass der Junge einverstanden ist.Sören, der sich sehr unwohl fühlt und Hilfe sucht, nimmt dieses Angebot sofort an. Er geht nun einmal die Woche zum Schulpsychologen.
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Auf uns macht er keinen selbstbewussten Eindruck, sondern eher wirkt er sehr unsicher, ängstlich und eingeschüchtert. Er überblickt unserer Meinung nach seine soziale Situation in der Schule sehr genau, hat aber resigniert und versucht nicht mehr, daran etwas zu ändern. Dies gilt auch für die schulischen Leistungen. Hier kommen noch große Lücken im Lernstoff dazu, die nachzuholen er im Moment keine Motivation hat.
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Ich möchte hier zwei für mich sehr auffällige Erzählungen von Sören aufschreiben. Die Erste war Anfang November 2000.
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Sören sagt, er habe Angst. Er kann sich nicht konzentrieren, er wird von schwarzen Ringen abgelenkt. Er befindet sich selber in einer Welt, die leer ist. Es gibt dort nichts Gutes und nichts Schlechtes, nichts was Angst macht und nichts was ihn freut. Die schwarzen Ringe kommen von Oben und zwingen ihn nach oben zu schauen. Dort sieht er unsere Welt, aber nicht vollständig. Es fehlen Teile, der Tisch ist nicht ganz, am Stuhl fehlt ein Stück. In unserer Welt fehlt laut Sören Einiges, sie ist nicht in Ordnung. Was er sieht macht ihm Angst. Die Ringe kommen herunter und er muss nach unten schauen. Dort ist eine Welt, die düster und verdorrt ist. Kaputte Pflanzen, Bäume. Alles ist steinig, sandig und grau. Es gibt kein Leben. Eine Welt die ihm Angst macht. Er hat Angst alleine zu sein, weil dann die Ringe kommen.
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Die nächste Erzählung war vor ungefähr zwei Wochen. Er hat vom Schulbus aus einen Hund auf einem Tümpel gesehen. Anschließend hat er von diesem Hund geträumt. Zur Zeit sieht er oft Hundespuren. Sören sieht darin einen beängstigten Zusammenhang. Er findet es laut eigener Aussage sehr merkwürdig und beängstigend. Er sagt, er fühle sich beobachtet. Es macht ihm Angst.