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Lese- und Rechtschreibschwäche, Legasthenie

 

Als Legastheniker bezeichnet man heutzutage allgemein Menschen, die überdurchschnittliche Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und/oder der Schriftsprache haben, obwohl sie über eine »normale« Intelligenz verfügen.
Legasthenie wird in der Regel während der Schulzeit festgestellt. Typische Zeitpunkte sind 2./3. Klasse und 5. Klasse. Schulen sind gehalten, den legasthenen Kindern Förderunterricht zu erteilen, und nach Absprache mit den Eltern die Rechtschreibnote vorerst auszusetzen.
Ist eine legasthene Störung sehr ausgeprägt, so dass eine drohende seelische Behinderung befürchtet werden muss, so ist eine außerschulische, individuelle Förderung und Therapie notwendig. Mit einer fachärztlichen Diagnose und einer Stellungnahme des/der zuständigen Lehrers/Lehrerin können die Erziehungsberechtigten versuchen, die Übernahme der Kosten für eine Legasthenietherapie beim Jugendamt nach den Richtlinien des neuen KJHG (Kinder- und Jugendhilfegesetz) über den §35a erstattet zu bekommen.
Eine Legasthenietherapie stellt das legasthene Kind in den Mittelpunkt der Förderung und arbeitet mit dessen positiven Ressourcen. Die Therapie erstreckt sich in der Regel über zwei Jahre und bezieht Lehrer/innen und Eltern regelmäßig in die Entwicklung ein. Es wird einzeln gearbeitet im Durchschnitt mit zwei Stunden pro Woche.
Symptome:
Die Hilfe kann Ihnen bei der Überprüfung behilflich sein, ob förderungsbedürftige Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten vorliegen. Beantworten Sie mehrere Punkte mit »ja«, sollten Sie in jedem Fall eine Untersuchung auf Legasthenie von einer anerkannten Stelle durchführen lassen (Kinder- und Jugendpsychiater, Schulpsychologischer Dienst, Erziehungs- oder Legasthenie-Beratungsstelle etc.).
Lesen:

häufige  Fehler beim lauten Lesen
zahlreiche Selbstkorrekturen
Langsames bzw. mühsames Erlesen von Wörtern
Silbenweises Lesen von Wörtern
Wortweises Lesen von Wörtern
Wortweises Lesen von Sätzen und Texten
Probleme bei der Verschmelzung von Einzellauten zu Lautfolgen
Probleme bei der Sinnentnahme

Rechtschreibung:
häufige  Fehler beim Abschreiben
Zahlreiche Fehler in Diktaten und Aufsätzen
Verwechslung visuell ähnlicher Buchstaben (z.B. »dunt« statt  »bunt«)
Verwechslung von Buchstaben, die ähnliche Laute repräsentieren (z.B.  »kern« statt »gern«)
Auslassung von Buchstaben, so dass sich die Klanggestalt des Wortes ändert  (z.B. »Apfe« statt »Apfel«)
Auslassung von ganzen Wörtern und längeren Wortteilen
Vertauschung der Buchstabenreihenfolge
häufige  Fehler aufgrund der Nichtbeachtung bestimmter Rechtschreibregeln
Schreibhemmung

Gesprochene Sprache:
verwaschene  Artikulation
stockendes Sprechen
Wortschatzarmut
Wortfindungsstörungen
häufige  Bildung von grammatisch bzw. syntaktisch inkorrekten Ausdrücken

Merkfähigkeit:
geringe  auditive Merkfähigkeit (z.B. beim Vokabellernen)
geringe  visuelle Merkfähigkeit (z.B. beim Einprägen von neuen Wortbildern)

Motorik:
allgemeine Ungeschicklichkeit
verkrampfte  Schreibhaltung
undeutliches Schriftbild
langsames Lesen

beschluss-kmk-vom-04122003

 

 

 

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